Punktegalaxie

Punktegalaxie

Genre: Kartenspiel • Drafting • Set Collection
Autor: Molly Johnson, Robert Melvin, Shawn Stankewich
Illustrator: Dylan Mangini
Spieleverlag: Pegasus Spiele, AEG
Empfohlenes Alter: Ab 10 Jahren
Spieldauer: 15 bis 40 Minuten

Punktegalaxie   22.06.2026 von 2-PL4Y3R5

Zu Punktesalat hatten wir damals unsere zweite Rezension bei Sofahelden veröffentlicht. Das haben wir rauf und runter gespielt, und es kommt nach wie vor mit der Familie oder als Absacker auf den Tisch. Nach Punktesalat erschien Punktestadt, das wir bisher noch nicht gespielt haben. Jetzt hat mit Punktegalaxie der Dritte im Bunde die Marktreife erreicht. Während Punktestadt grundsätzlich andere Spielmechaniken nutzt, kommt Punktegalaxie dem Spielprinzip von Punktesalat wieder viel näher. Da uns Galaxien auch viel mehr abholen als das Stadt-Thema, haben wir diesmal zugeschlagen. Lohnt sich der Kauf als Punktesalat-Veteran? Wir verraten es euch.

 

Das Material und die Vorbereitung

 

Im Gegensatz zu Punktesalat, dessen Lieferumfang neben der Regel ausschließlich aus 108 Karten besteht, kommt Punktegalaxie neben insgesamt 140 Karten auch mit 24 Raketenplättchen und einem Wertungsblock daher. Dementsprechend ist auch die Schachtel etwas größer als die des Vorgängers.

 

Zuerst werden die Planeten-/Weltraumkarten gemischt und dann Karten entsprechend der Spieleranzahl – von 3 Karten in 5-Personen-Partien bis hin zu 81 Karten in 1–2-Personen-Partien – zurück in die Spielschachtel gelegt. Die übrigen Karten werden auf drei etwa gleich große Stapel aufgeteilt und diese Stapel mit der Weltraumseite nach oben nebeneinander in die Tischmitte gelegt. Ebenfalls Punktesalat-typisch werden nun zwei Karten von jedem Stapel aufgedeckt und mit der Planetenseite nach oben unterhalb des jeweiligen Stapels ausgelegt. So entsteht ein Markt aus insgesamt neun Karten: den drei oben aufliegenden Weltraumkarten der Stapel und den sechs Planetenkarten darunter.

 

Nun werden die Raketenplättchen verdeckt gemischt und dann Plättchen ebenfalls abhängig von der Spielerzahl – von 8 Plättchen in 5-Personen-Partien bis hin zu 14 in 1–2-Personen-Partien – zurückgelegt. Die übrigen Plättchen werden aufgedeckt und als Vorrat neben dem Markt bereitgelegt.  Jeder Spieler erhält noch eine zufällige Start-Sonnenkarte, die in den persönlichen Spielbereich gelegt wird und so das erste Sonnensystem bildet. Zuletzt werden die Spielerhilfen verteilt. Die Person mit der Spielerhilfe, die das Symbol für die Startperson zeigt, beginnt die Partie.

 

Das Spielziel

 

In allen Spielen der Punkte-Reihe geht es immer darum, die meisten Punkte zu erzielen. Kein anderes Spiel auf dem Markt macht das so deutlich wie die Implementierungen dieser Reihe, welche die Siegpunktejagd im Spieletitel verewigen. Aber wie bekommt man Punkte? Hier bietet Punktegalaxie im Vergleich zu Punktesalat extrem viele Möglichkeiten. Für den Sieg sollte man keine Wertungskategorie gänzlich vernachlässigen:

  • Sterne: Farb- und/oder Symbol-Sets auf Planetenkarten innerhalb eines Sonnensystems geben Punkte, wie auf dem Stern angegeben.
  • Planeten: Für jedes Sonnensystem gibt die Anzahl der Planeten unterschiedlicher Größe (maximal 7) 1 bis 12 Punkte.
  • Monde: Jeder Mond gibt 2 oder 3 Punkte, wenn die Farben der benachbarten Planeten mit der Farbe des Mondes übereinstimmen.
  • Forschung: Je mehr unterschiedliche Forschungssymbole in der Auslage (maximal 7), desto besser. Auch hier gibt es 1 bis 12 Punkte, je nach Anzahl.
  • Raketen: Jede Rakete gibt Punkte für verschiedene Bedingungen, wobei alle Karten der Auslage berücksichtigt werden.
  • Asteroiden: Wer die meisten Asteroiden hat, bekommt die meisten Punkte. Hier geht es um Mehrheiten.

 

Der Spielablauf

 

Punktegalaxie wird über genau 13 Runden gespielt. In jeder Runde sind die Spieler abwechselnd genau einmal am Zug und wählen dann zwei beliebige Karten aus der allgemeinen Auslage, um sie in ihre Galaxie zu spielen. Jeder Spieler draftet so im Spielverlauf genau 26 Karten. Erst am Ende eines Zuges werden die Planetenkarten wieder vom darüber liegenden Stapel aufgefüllt. Sollte dabei ein Stapel leer sein, wird der größte Stapel aufgeteilt, sodass immer drei Karten mit der Rückseite sichtbar zur Wahl stehen. In seinem Zug sollte man auch auf die Anzahl an Raketensymbolen in seiner Auslage achtgeben, denn für jedes fünfte Raketensymbol darf man sich eine der ausliegenden Raketen aussuchen und schaltet so eine Wertungsbedingung für das Spielende frei.

 

Nimmt man sich eine Karte, so platziert man sie entweder in ein bereits existierendes Sonnensystem oder „eröffnet“ ein neues. Ein Sonnensystem hat immer dieselbe Struktur: maximal eine Sonne und darunter maximal ein Asteroid. Zusätzlich hat jedes Sonnensystem eine Kartenreihe mit Planeten, in die auch Monde und Wurmlöcher integriert werden können. Die Kartenreihe darf dabei an beiden Enden mit weiteren Karten verlängert werden. Einige Kartentypen haben weitere bestimmte Legeregeln, und sie geben für unterschiedliche Voraussetzungen Punkte. Schauen wir uns also einmal die Regeln und Funktionen der einzelnen Kartentypen an.

 

Am meisten Punkte gibt es am Spielende letztlich für die Planeten. Zu Beginn jedes Zuges liegen immer sechs Planetenkarten in der allgemeinen Auslage. Auf den Rückseiten der Planetenkarten findet man dagegen Sonnen, Asteroiden, Wurmlöcher oder Monde, von denen zu jedem Zeitpunkt im Spielverlauf insgesamt nur die drei oben aufliegenden Karten der Stapel gedraftet werden können.

Planeten haben drei Eigenschaften: eine Farbe, eine Größe (angegeben mit einer Ziffer von 1 bis 7) und ggf. Symbole oben rechts, wobei dies entweder eines von sieben Forschungssymbolen (A–G) oder ein bis zwei Raketensymbole sein können. Damit tragen Planeten über ihre Eigenschaften letztlich zu fünf der sechs Wertungskategorien bei. Planeten haben eine zentrale Legeregel: Der erste Planet eines Sonnensystems kann zwar noch beliebig platziert werden, danach muss die Kartenreihe aber nach oben und unten mit auf- bzw. absteigender Planetengröße fortgesetzt werden. Man darf Lücken lassen, aber das reduziert am Spielende die Gesamtpunktzahl für die Planeten des Sonnensystems, weil die Anzahl verschiedener Größen in jedem Sonnensystem gewertet wird.

 

Hier helfen Wurmlöcher. Diese geben zwar selbst keine Punkte, setzen aber die Planetenreihenfolge zurück. Platziert man ein Wurmloch unter einem Planeten mit der Größe 7, kann man wieder mit einem Planeten der Größe 1 (oder einem beliebigen anderen Planeten) weitermachen, um die Lücken nachträglich zu füllen.

Jedes Sonnensystem kann nur eine Sonne haben, die oberhalb der Kartenreihe ausgespielt wird. Die Sonne gibt Wertungskriterien für alle Karten des entsprechenden Sonnensystems vor, z. B. zwei Punkte pro Set aus orangefarbenem und pinkem Planeten. Jede Sonne darf nur einen Asteroiden haben, der dann versetzt unterhalb der Sonne ausgelegt wird. Asteroiden geben so erst einmal gar keine Punkte; wer am Spielende aber die meisten hat, bekommt 10 Punkte. Der mit den zweitmeisten Asteroiden bekommt 6 Punkte und derjenige auf dem dritten Platz immerhin 3 Punkte.

Zuletzt wären da noch die Monde. Sie können ohne besondere Regeln wie Planeten und Wurmlöcher in die Kartenreihen eines Sonnensystems gespielt werden. Allerdings geben Monde am Spielende nur dann Punkte, wenn die Farbe des Mondes mit der Farbe des benachbarten Planeten übereinstimmt. Manche Monde verlangen zwei Farben, wobei dann die beiden angrenzenden Planeten jeweils eine der Farbvoraussetzungen erfüllen müssen, um die Punkte freizuschalten.

 

 

Bildergalerie von Punktegalaxie (12 Bilder)

Spielmaterial

 

  • 5 doppelseitige Start-Sonnenkarten
  • 140 doppelseitige Planeten-/Weltraumkarten
  • 24 Raketen-Plättchen
  • 5 doppelseitige Spielhilfen
  • 1 Wertungsblock
  • 1 Regel



Cover & Bilder © Cover: Pegasus Spiele GmbH / Bilder im Artikel und Teaserbild: www.sofahelden.de


Das Fazit von: 2-PL4Y3R5

2-PL4Y3R5

Spielspaß/Spielgefühl: Punktegalaxie vermittelt dieselben Vibes wie Punktesalat, läuft aber weniger flüssig, weil nicht nur zwei Dinge gegeneinander optimiert werden müssen – Gemüseanzahl und Gemüsewertung –, sondern Punkte für den Salat (äh, für die Galaxie) viel kleinteiliger gesammelt werden. Das Abwägen fällt damit etwas schwerer und hat einen höheren Anspruch. Man muss beim Set-Collection auf mehr Dinge achtgeben: Farben, Zahlenreihenfolgen, Asteroiden-Mehrheiten und Symbole.

Für uns war das genau das Richtige. Denn nach zahlreichen Partien kommt Punktesalat kaum mehr auf den Tisch, weil wir uns einfach satt gespielt haben und es uns selbst für einen Absacker fast schon zu trivial erscheint. Es ist mit der Zeit einfach langweilig geworden. Wem das ähnlich geht, der trifft mit Punktegalaxie genau die richtige Wahl! Der Spielspaß ist derselbe, es kommt einfach noch ein bisschen mehr Denkarbeit on top – und das Ganze im frischen Weltraum-Setting.

 

Balancing/Glücksfaktor: Auch Punktegalaxie ist kein reines Strategiespiel. Die Glückslastigkeit ist hoch, zumal es viel mehr unterschiedliche Kartentypen gibt, die Kartenzusammensetzung dennoch komplett zufällig – abhängig von der Spielerzahl – ausgewählt wird. So befinden sich auf den Kartenrückseiten Sonnen, Monde, Asteroiden und Wurmlöcher, die alle unterschiedliche Funktionen haben. Im 2-Personen-Spiel sind 59 von 140 Karten im Spiel. Gibt es überhaupt noch ein Wurmloch, mit dem ich die Zahlenreihenfolge meiner Planeten austricksen kann? Wie viele Asteroiden gibt es noch, um sich die Mehrheit zu sichern? Wie viele Planeten mit Raketensymbolen tauchen noch auf? Während es durch die Vielzahl an Optionen auch mehr strategische Möglichkeiten gibt als in Punktesalat, ist die Glückslastigkeit ebenfalls gestiegen.

 

Komplexität/Regeln: Hier eines vorweg: Das Lesen der Regel hat uns in den ersten fünf Minuten etwas Kopfschmerzen bereitet, weil ständig von Kartenreihen gesprochen wird. Die Autoren beziehen sich hier auf die Spalten. Den Unterschied sollte man kennen, oder? Dafür muss man kein Excel-Experte sein. Die Kartenreihen, die ebenfalls auf den Beispielabbildungen sichtbar sind, weil z. B. Sonnen nebeneinander ausgelegt werden, haben hier überhaupt keine Bedeutung. Neben dieser kleinen, verzeihbaren Unklarheit, die sich mit der Zeit automatisch auflöst, ist die Regel ansonsten leicht verdaulich. Sie hat insgesamt 16 Seiten im DIN-A5-Format, wobei Spielablauf und Wertung auf sechs Seiten passen.

Punktegalaxie bleibt ein Familienspiel, ist aber vom zu lösenden Puzzle her etwas kniffliger als Punktesalat, weil sich die Wertung am Spielende aus sechs Einzelwertungen zusammensetzt und für diese mitunter einiges zusammenaddiert werden muss. Die Punkteoptimierung ist daher wesentlich weniger trivial als in Punktesalat, wo klar ist: Ich brauche Tomaten! In Punktegalaxie brauche ich einen blauen Planeten der Größe 7, am besten mit dem Forschungssymbol A. Oder ich nehme den Asteroiden, um den Vorsprung auf die Mehrheit auszubauen, und dafür brauche ich aber eine neue Sonne. Oder einfach doch den anderen Planeten wegen der zwei Raketensymbole, um endlich die Rakete mit der zu meiner Auslage passenden Galaxie-Wertung freizuschalten, bevor es jemand anderes tut?

 

Spielerinteraktion/Spieleranzahl: Im Gegensatz zu Punktesalat ist Punktegalaxie nur mit maximal fünf Spielern spielbar, dafür gibt es aber einen Solomodus. Abhängig von der Spielerzahl werden mehr Karten in die Stapel gemischt, sodass unabhängig von der Personenanzahl jeder 13 Züge hat und am Spielende immer 26 Karten gedraftet haben wird. Das finden wir besser als in Punktesalat, weil das Spiel beendet wird, bevor die Auswahl der Karten beschränkt ist. Jeder Spieler hat in jedem seiner Züge immer neun Karten zur Wahl – anders als in Punktesalat, wo der letzte Spieler die zwei verbleibenden Karten nehmen muss, die dann meistens Minuspunkte einbringen.

Auf der anderen Seite ist Punktesalat besser für Partien mit bis zu sechs Spielern geeignet, weil es einfach viel schneller gespielt ist. Die Downtime in Punktegalaxie ist allein dadurch erhöht, dass Spieler öfter mal über die Wahl der Karten nachdenken müssen.

 

Spieldauer: Aus diesem Grund ist vermutlich auch die offiziell angegebene Spieldauer für Punktegalaxie mit 15 bis 40 Minuten etwas höher angesetzt als die 15 bis 30 Minuten, die auf der Schachtel von Punktesalat stehen – obwohl Punktesalat sogar mit bis zu sechs Spielern gespielt werden kann. Wer also ein sehr schnell gespieltes Absacker-Spiel für größere Gruppen sucht, der sollte vielleicht doch eher zu Punktesalat greifen. In unseren bisherigen 2-Personen-Partien haben wir im Vergleich zu Punktesalat im Schnitt fast doppelt so lange gebraucht.

 

Wiederspielbarkeit: Hier sehen wir den großen Vorteil von Punktegalaxie, gerade wenn man sich an Punktesalat sattgespielt hat (no pun intended). Wo Punktesalat einfach durch den Mangel verschiedener Kartentypen nicht viel Abwechslung bietet – auch bezüglich der strategischen Vielfalt –, regt Punktegalaxie auf verschiedenen Ebenen zum Nachdenken und Ausprobieren an. Ja, auch Punktegalaxie wird sicher irgendwann langweiliger, aber der Spielspaß sollte länger anhalten, bis man alles gesehen und ausprobiert hat. Außerdem nimmt an jeder Partie nur ein zufällig zusammengesetzter Bruchteil der Raketenplättchen teil. Da jedes Raketenplättchen andere Wertungen ermöglicht, fördert dies in jeder Partie neue Strategien für die eigene Galaxie, die zur Optimierung der anderen Puzzle-Elemente hinkommen.


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