Necromancer - Stay Metal!

Necromancer - Stay Metal!

Originaltitel: Lad de døde hvile
Genre: Horror • Komödie
Regie: Sohail A. Hassan
Hauptdarsteller: Jakob Hasselstrøm
Laufzeit: DVD (104 Min) • BD (104 Min)
Label: Meteor Film
FSK 16

Necromancer - Stay Metal!   22.01.2021 von Beef Supreme

Metal und Satanismus gehören zusammen wie Ozzy Osbourne und Fledermäuse. Dieses Image wird die Mucke wohl niemals los und auch Necromancer – Stay Metal ist sich nicht zu schade, so richtig tief in der Klischee-Kiste zu wühlen. Es hilft alles nix, hängt euch die EMP-Pentagramme ums Genick, packt die Pommesgabel aus und zündet die 10-Cent-Teelichter an, es wird mal wieder okkult.

 

Inhalt

 

Vor 3 Jahren hat der Krebs Jimmys Mutter dahingerafft. Das hält ihn als örtlichen Teilzeit-Satanisten aber nicht davon ab, auf dem Friedhof mit Asche und Dreck um sich werfend, ihren Geist zu beschwören. Als Außenseiter hat er keine lebendigen Freunde, bis der Neue, Amir, ihn dazu bringt, auch mal Kontakt mit dem weiblichen Geschlecht zu suchen. Nur eine Trockeneis-gestützte Séance im Keller der heißesten Mädels der Klasse später sind die beiden die neuen Rockstars. Für Amir, der nicht an das ganze übernatürliche Geschwätz glaubt, war das ein tolles Vehikel, um an die Mädels ranzukommen, doch Jimmy hat bei der Aktion etwas befreit, das besser gefangen geblieben wäre. Nur wie verkauft er die Story des alles vernichtenden Totenbeschwörers an seine ignoranten Mitritualisten? Sollten etwa die Stadt, die Seele seiner Mutter und die Festival-Saison dem Untergang geweiht sein?

 

Auf den ersten Blick wird klar, dass es sich bei Necromancer – Stay Metal um eine Indie-Produktion handelt. Eine holprige Kameraführung gepaart mit Doku-Soap-Optik erzeugen grausige Berlin - Tag und Nacht-Flashbacks. Ganz so schlimm wird’s zum Glück nicht, denn für sein Erstlingswerk macht Regisseur Sohail Hassan erstaunlich viel richtig. Die Geschichte ist zwar nichts Besonderes und auch etwas holprig erzählt. Manchmal geht der berüchtigte Rote Faden verloren und man wähnt sich in einer Teenie-Romanze, doch das währt zum Glück nie über Gebühr lange. Dafür bietet der Film einige witzige Momente und es gelingt Necromancer mit einigen Metaller-Klischees zu spielen, ohne sie ins Lächerliche zu ziehen. Generell schafft es der Film, eine angenehme Stimmung zu erzeugen und auf abgedroschene Formeln weitestgehend zu verzichten.


Nur Action oder Gemetzel sollte man nicht erwarten. Das Cover und der deutsche Titel sind ein wenig irreführend, denn weder rennen hier heiße Babes mit Kettensägen rum, noch hat der Film groß was mit Metal zu tun. Gelegentlich schrabbeln ein paar Stromgitarren, aber die Musik steht nie wirklich im Vordergrund und ist auch nicht Teil der Handlung. Was den deutschen Verleiher zu diesem Untertitel bewogen hat, wird sein Geheimnis bleiben, das Bisschen Gekratze und Gegrunze rechtfertig ihn jedenfalls nicht. Die Schauwerte halten sich auch stark zurück, da für Effektgewitter und Blutbäder wahrscheinlich das Bare zu knapp war. Zum Schluss wird mal jemand abgestochen, doch wie das eben bei Indie-Produktionen so ist, sieht man davon so gut wie nichts. Der Film lebt viel mehr von der Passion der Mitwirkenden und seinem trashig-witzigen Charme. Hier von einem guten Film zu sprechen wäre übertrieben, doch kann man Necromancer durchaus als gelungenes Projekt und Showcase für „was wäre wenn wir mehr Kohle und mehr Zeit gehabt hätten“ betrachten.


Die Darsteller machen ihre Sache nämlich ihren Möglichkeiten entsprechend gut und sind durchweg sympathisch. Da kann man auch mal Fremdscham-Dialoge oder Logik-Aussetzer verzeihen. Richtig schlimm ist aber die deutsche Synchronisation. Die macht gar keinen Spaß und lässt sich auch nicht mehr durch einen Indie-Bonus schönreden. Die deutschen Sprecher taugen einfach nicht und kosten den Film einiges an Qualität und Wohlwollen. Als Alternative wird jedoch nur Dänisch mit deutschen Untertiteln angeboten.

 

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Details zur Blu Ray

 

Auch aus technischer Sicht darf man nicht zu viel erwarten. Semi-professionell nur in 1080i und hinterher hochgerechnet flackert das Bild hin und wieder in dunklen Szenen und komplexere Strukturen erzeugen ein leichtes Flimmern. Der Doku-Soap-Look wurde ja schon angesprochen. Nichts davon ist wirklich gravierend schlimm, allerdings aber weit weg von Hochglanz-Produktionen. Die Soundeffekte bewegen sich auf ähnlichem Niveau. Nicht wirklich schlecht, doch es mangelt an Druck und Klarheit. Der Ton fügt sich jedoch gut in den Gesamteindruck ein.



Cover & Bilder © Meteor Film GmbH / ©2019 PURE FICTION FILM photo Sune Tollose


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Ich möchte Necromancer nicht zerreißen, das hat der Film nicht verdient. Objektiv betrachtet ist das hier eigentlich kein guter Film. Die Story ist löchriger als ein Golfplatz, die Dialoge animieren zum beschämten Fliesenzählen und auch auf technischer Ebene gibt’s mehr als genug zu meckern. Trotzdem hat mir Necromancer – Stay Metal irgendwie Spaß gemacht. Das liegt vor allem an den sympathischen Schauspielern und wie der Film mit ein paar Metal-Klischees umgeht. Mit Horror hat das Gezeigte wenig zu tun, eher mit einer Teenie-Komödie mit übernatürlichem Rahmen, aber das macht nichts. Der Film hat Charme und man sieht, dass die Beteiligten Spaß an der Sache hatten. Wer ein Herz für Indie-Filme hat, kann hier ein Auge riskieren. Nur warum der Film Stay Metal heißen musste, erschließt sich mir genauso wenig, wie das Kettensägen-Babe auf dem Cover.


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